nachmittags am see lieg ich im warmen gras. der himmel verreibt sich zu einer schläfrigen wärme und draußen befühlt das aufsteigende luftmeer die schiffe, die ruhig vor den formlosen ufern untergehen. raschelnde blätter zeigen aus den bäumen wie zahllose kleine finger, die ein klavierstück in den wind spielen, nachmittage lang. im wasser zittern arme und hände. menschen sitzen in einem boot. sehen aus wie gekrümmte landarbeiter, die in einem blauen feld untergehen. sie treiben fast bewegungslos dem alpenzug entgegen, bis die abendsonne alle schiffe in ein rotes licht taucht und sich die lider des himmels schließen. hier am ufer bleibt jede stunde gleich. ich lasse den see in mir ertrinken - bin hier zuhause jederzeit.
aus deiner Stirn fällt ein tanzender Ball
darunter bricht der Asphalt
- atme, Straße, atme -
aus deinen Augen blicken Worte
hab sie noch nie gesehen
du flüsterst deinen Namen
in die Stadt hinein
sie verschwimmt
zu einem neuen Ort
vor deinen Lippen
beginnt die Welt zu wandern
Das Gras atmet den dichten Nebel in das lange Tal hinein. Um die schwebenden Zweige verstummter Apfelbäume legt sich ein Schleier.
Der Schleier sieht aus wie das abgeworfene Gewebe vergangener Sommer.
Vorbei.
Regentropfen im Winter schauen mit tausend Augen jeden Winkel des Landes an.
Regentropfen im Winter weichen die blaue Haut des Himmels auf, der schon seit Wochen still über den Ackerfurchen zittert.
Der Mond ist im Dezember das hellste Haus.
Reise mit geschlossenen Augen
in das ergraute Licht
das zwischen Wolken
am Kopfende des Bettes
einer tagschlafenden Sonne wacht.
Ich sitze in Wartesälen
zwischen Geschwistern
deren Blicke
in verletzten Handsenken wohnen.
Die Gedanken richten sich
in Kellern ein.
Es glänzen
die Spuren
scharfer Sehnsuchtsbetäuber.
Beflecken zertretene Dielen.
Da unten bekomme ich
meine Nahrung her.
Und meine Finger streicheln den Staub
für Jahre.
Da oben in den Lichtbuchten
lass ich meinen Herzschlag träumen
bis der Himmel
sein letztes Leinenhemd abwirft
und die Sonne in unsere Körper steigt.
Ich dachte mir noch nichts, als ich in der S-Bahn eine junge Frau sitzen sah, die ein aufgeschlagenes Buch sachte auf ihren Schoß legte. Die Frau fuhr sich mit behandschuhten Fingern durchs lange Haar, schloss dabei die Augen und fing heftig an zu gähnen. Sie gähnte über Minuten hinweg so intensiv, dass ich ihren Kehlkopf sehen konnte. Ein Anblick, der doch normalerweise nur endoskopischen Geräten vergönnt ist (man denkt sich, kann denn wirklich jemand so müde sein?). Nein, natürlich nicht. Bald hatte ich den Verdacht, dass diese Frau die Geschichte vollständig aus sich herausgähnte, die sie gelesen hatte! Spürbar änderte sich die atmosphärische Zusammensetzung in der Bahn, recht kleinmolekular. Es wurde um ein paar Grad dunkler. Die Menschen sahen irgendwie so komisch drein, als hätten sie mindestens vier Paar Augen. (Doch nur Protagonist_innen eines Romans?). Unwohl war´s mir, ach. Ich fragte die Frau, nachdem sie endlich ihren Mund wieder geschlossen hatte, welche Geschichte sie denn gerade ausgegähnt habe (konnte den Titel des Buches von meinem Sitzplatz aus nicht entziffern), denn ich wollte mich darauf einstellen, ob ich gerade in einer Schmonzette, einer Farce oder einer Tragödie herumsaß, (die dann so ungelenk in den Tunnel nach der HackHack, Hackerbrücke einfuhr). Stimmt schon, soviel Unterschied macht das ja nicht, deshalb bekam ich auch keine Antwort von ihr. Ich stieg vor ihrem müden Gesicht aus, dort, am Isartor, ging heraus aus einer vielleicht vielfach verpreisgekrönten Geschichte und dachte mir, am Bahnsteig stehend, hier kenn ich mich wieder aus. Das dachte ich mir, bis sich auf der Rolltreppe ein Kind mit einem Eis in der Hand hinter mich stellte und es die klebrige Schokoladensoße auf die Schweißnaht meiner Jacke kleckerte. Aber mein Rücken nascht doch nicht!!!
…nicht hinter, sondern in einer Wand wohnen…

Ein nägelkauendes, unartiges Mädchen zieht die Tapeten in schmalen Streifen von den Wänden und hört ihrer Arbeit gut zu. Um sie herum wächst ein Haus mit vielen Zimmern. Wenn das Licht in ihre Wohnung schaut, rückt sie schnell den einzigen Vorhang zurecht. So steht sie am geschlossenen Fenster und flüstert zur schlafenden Nachbarschaft hinüber: “ich bürst es mir nicht zurecht mein Leben und schneide das trockene Geäst am Rand meiner Wege”. Von drüben wächst ein elektrisches Raunen heran, das erzählt von der Welt. Ab und an schweben die Worte vom Balkon. Das Mädchen meidet den Blick in die Flure “mit Wünschen alleine kommst du hier nicht durch” hat vor vielen Jahren ein Fortgezogener ins Treppenhaus gemalt.