der schreibkomplex

18.9.2009

lyrische splitter

Abgelegt unter: Uncategorized — Roswitha @ 22:40

körperschiff

zeig mir deinen atem

gib mir dein flüstern

wir erweichen den boden

mit nachtlangen küssen

nachts schwimmt unser bett

auf siedenden wellen

wir sind ein vergessenes körperschiff

fern von allen bewohnten ländern

(Februar 2010)

 

früh im garten nicht bei dir

früh im garten nicht bei dir.

als ich mit dir im gras lag

stand die sonne steil am himmel

jetzt wartet sie blass hinter milchglas

und aus dem dunstschleier

perlen kühle regentropfen

auf mein haar, das 

- weisst du noch -

im sommer deinen weichen bauch kitzelte

als ich versuchte

durch deinen nabel zu kriechen -

du hast dich lachend zur seite gedreht

 

früh im garten

bist du nicht mehr hier

ich schau über den zaun:

kein wir mehr

dort hinten im gras

(Februar 2010)

 

Vor Fenstern

wünsche mir

dass wir voreinander

schadlos stürzen

jetzt

wo wir füreinander

haltlos

straucheln

herausfallen

aus den Fenstern

die sich über den

Baumkronen öffnen

dann den Boden

vor unseren Augen

aushalten

nicht sicher

nicht schmerzfrei fallen

unten ankommen

uns im Gras

noch kurz die Hand drücken

bevor wir uns

- ist es so? -

schmerzvoll nicht vergessen

(Sommer 2009)

 

München

Singend geht ein nachdenklicher Passant

an zitternden Tramschienen entlang.

Wie man hier wohl Träume abspeckt

so sein schweißtreibender Gedanke.

Durch das entzückend vermalte Bild

hetzt er mit fliehenden Schritten

Heiter, außer Atem

wird so

vielleicht

die nächste Verabredung

erreicht.

Zärtlich plätschert die Isar ihr Lied.

(Januar 2009)

 

deine rechte, deine linke Hand

deine rechte Hand

legt morgens

einen Schatten

auf den Setzling

der wie ein Tag

müde

durch die Dämmerung bricht.

ich stehe auf

und wische dich nicht

aus meinen Augen.

an den Vorhängen

schweigt der Staub

der kreiste hellwach

an vielen Samstagabenden

um unsere Kämpfe herum.

deine linke Hand

streicht der Nacht über die Stirn

und öffnet leise das Fenster

auf dem der Lichtstrahl klebt

den wir an vielen Sonntagvormittagen

für uns behielten

Irrlichter blieben.

morgens liege ich

wieder in deiner rechten Hand

nehme sie und geh mit dir

wie an einer Wand entlang

an aufgereihten Bildern vorbei

die uns zeigen

mit allen Gesichtern

uns möglicher Trunkenheit.

mit deiner rechten

und deiner linken Hand

umspannst du die Stunden

heute ein warmes Echo

aller sonntäglichen Umarmungen

jetzt sind wir füreinander so leicht.

(Frühling 2009)

 

Nachtwache

Heute Nacht träumte ich

ich wär eine Schale

und eine Rinde

irgend ein Gebilde

ohne feste Mitte

ein Vorbeigehen

ein Schwinden

ein Suchen

ohne Finden

ein Blick in die Ferne

ein Beträumen der Sterne

so glitt ich im Traum dorthin

wo ich mit offenen Augen schon bin

(1997)

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