der schreibkomplex

25.8.2010

der fisch

Abgelegt unter: Ad hoc — Roswitha @ 00:06

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Ein schwaches Licht strahlt in die Würm hinein. Das Wasser bewegt sich heute besonders lebendig in seinem Betonbett. Schwappt bis zur zweiten Stufe des Terrassenufers. Ein Fisch schaukelt in den kleinen Wellen, schwimmt von mir weg, macht einen kleinen Bogen zurück in mein Blickfeld und schwebt dann vor mir. Es plätschert, ich hole die Kamera heraus und fange an vertrauensvoll mit ihm zu reden, drehe mich um, weil ich nicht glauben kann, dass ich alleine bin. Hinter meinem Rücken eine stille, warme Nacht, die um den Vollmond kreist.

20.8.2010

familienfeier

Abgelegt unter: Ad hoc — Roswitha @ 13:39

nachmittags um kurz nach halb drei sitzen menschen an einem langem tisch. ihre beine umschlingen die beine der stühle wie müde schlangen. verdeckt werden die entblößten hellen schenkel von einem weißen tischtuch, dass die gastgeberin monatelang gewaschen und gestärkt hat bis zum heutigen tag. der wind bläst die gardinen ins zimmer. es klingelt. auch andere gäste kommen, deren namen ich suchen muss, in entlegenen erinnerungsfächern. einer lacht, ein anderer trinkt kaffee, die tante findet heute wieder alles herrlich. der mann neben ihr niest gründlich aufs tischtuch. etwas krankes rasselt über das kaffeegeschirr. kurz riecht es nach arztpraxis, bis sein sohn zu erzählen beginnt. der junge mann mit halbglatze redet plötzlich leise, seine augen glänzen. eine neue geschäftsidee schaufelt ihm womöglich anerkennung ins leben. ich möchte ihm glauben. die tante, die gerade noch das zerknüllte taschentuch neben ihrem teller herrlich fand, flüstert plötzlich “alles märchen” in die vorgehaltene hand hinein und hält ihren kopf so schief, dass das ganze zimmer schwankt und die tassen zusammenrutschen. der kaffee schwappt aus den porzellanbehältnissen. der niesende berührt meinen fuß, ich trete ihm lächelnd auf die zehen. ein stückchen kuchen schiebt ein schimpfwort zurück in meinen magen. die gastgeberin tanzt in die küche und holt eine flasche mit hochprozentigem, um schnell alles ins rechte lot zu bringen. wieder weht die gardine wie eine fahne ins zimmer hinein. sie zeigt mit feinem rascheln, dass die stunde eine besondere ist.

5.6.2010

begrüßung des sommers

Abgelegt unter: Ad hoc — Roswitha @ 18:19

Der warme Wind bläst den Nebel über die bemooste Mauer - ein Kind läuft über die Wiesen und schließt schnell das Wintertor mit kleinen, taufeuchten Händen zu. Dann küsst es kleine Spuren in die Erde hinein, aus denen bunte Augen wachsen. Sommerlang, ein lachender Blick. 

Endlich summt das Gras wieder… Endlich verschüttet sich das Grün, bis es durch die Finger rinnt und zwischen den Asphaltflächen liegen bleibt. Hoffentlich. Einen Sommer lang.

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1.6.2010

guerrilla exhibitions

Abgelegt unter: Ad hoc — Roswitha @ 11:49

    Nachts laufe ich an der Isar entlang und dann taucht plötzlich irgendwo ein Bild auf, dort, wo tagsüber ganz sicher nur eine Mauer da war. Die Nacht ist ein endlos großer Ausstellungsraum. Die Fund- und Ausstellungsstücke gewinnen mit der Flüchtigkeit ihres Gezeigt- und Gesehenwerdens die stärkste Präsenz. In einer anderen Nacht, glaube ich, lag an dieser Stelle ein blaues Fahrrad oder ein halbgeöffneter Regenschirm mit einem Riss von der Spitze bis zum äußeren Saum oder eine weggeworfene Konzertkarte, auf der noch die Platznummer zu erkennen war oder eine halbleere Bierflasche mit kaputtgeschlagenem Hals oder es saß da jemand - den dunklen Rücken zur Promenade hingestreckt - vielleicht war´s auch die Schale einer großen Walnuss oder der Chitinpanzer eines Junikäfers…

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15.11.2009

gerne würde ich…

Abgelegt unter: Ad hoc — Roswitha @ 20:51

…nicht hinter, sondern in einer Wand wohnen…

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Ein nägelkauendes, unartiges Mädchen zieht die Tapeten in schmalen Streifen von den Wänden und hört ihrer Arbeit gut zu. Um sie herum wächst ein Haus mit vielen Zimmern. Wenn das Licht in ihre Wohnung schaut, rückt sie schnell den einzigen Vorhang zurecht. So steht sie am geschlossenen Fenster und flüstert zur schlafenden Nachbarschaft hinüber: “ich bürst es mir nicht zurecht mein Leben und schneide das trockene Geäst am Rand meiner Wege”. Von drüben wächst ein elektrisches Raunen heran, das erzählt von der Welt. Ab und an schweben die Worte vom Balkon. Das Mädchen meidet den Blick in die Flure “mit Wünschen alleine kommst du hier nicht durch” hat vor vielen Jahren ein Fortgezogener ins Treppenhaus gemalt.

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