der schreibkomplex

29.11.2009

ich. reise. tagschläferin

Abgelegt unter: Uncategorized — Roswitha @ 19:53

Reise mit geschlossenen Augen

in das ergraute Licht

das zwischen Wolken

am Kopfende des Bettes

einer tagschlafenden Sonne wacht.

Ich sitze in Wartesälen

zwischen Geschwistern

deren Blicke

in verletzten Handsenken wohnen.

Die Gedanken richten sich

in Kellern ein.

Es glänzen

die Spuren

scharfer Sehnsuchtsbetäuber.

Beflecken zertretene Dielen.

Da unten bekomme ich

meine Nahrung her.

Und meine Finger streicheln den Staub

für Jahre.

Da oben in den Lichtbuchten

lass ich meinen Herzschlag träumen

bis der Himmel

sein letztes Leinenhemd abwirft

und die Sonne in unsere Körper steigt.

21.11.2009

selbst die klohäuschen werden nun weggespart…

Abgelegt unter: Discounter your life — Roswitha @ 21:16

dsc00196.jpg

15.11.2009

gähnende fülle

Abgelegt unter: Transmitter — Roswitha @ 21:14

licht2be.jpg  Ich dachte mir noch nichts, als ich in der S-Bahn eine junge Frau sitzen sah, die ein aufgeschlagenes Buch sachte auf ihren Schoß legte. Die Frau fuhr sich mit behandschuhten Fingern durchs lange Haar, schloss dabei die Augen und fing heftig an zu gähnen. Sie gähnte über Minuten hinweg so intensiv, dass ich ihren Kehlkopf sehen konnte. Ein Anblick, der doch normalerweise nur endoskopischen Geräten vergönnt ist (man denkt sich, kann denn wirklich jemand so müde sein?). Nein, natürlich nicht. Bald hatte ich den Verdacht, dass diese Frau die Geschichte vollständig aus sich herausgähnte, die sie gelesen hatte! Spürbar änderte sich die atmosphärische Zusammensetzung in der Bahn, recht kleinmolekular. Es wurde um ein paar Grad dunkler. Die Menschen sahen irgendwie so komisch drein, als hätten sie mindestens vier Paar Augen. (Doch nur Protagonist_innen eines Romans?). Unwohl war´s mir, ach. Ich fragte die Frau, nachdem sie endlich ihren Mund wieder geschlossen hatte, welche Geschichte sie denn gerade ausgegähnt habe (konnte den Titel des Buches von meinem Sitzplatz aus nicht entziffern), denn ich wollte mich darauf einstellen, ob ich gerade in einer Schmonzette, einer Farce oder einer Tragödie herumsaß, (die dann so ungelenk in den Tunnel nach der HackHack, Hackerbrücke einfuhr). Stimmt schon, soviel Unterschied macht das ja nicht, deshalb bekam ich auch keine Antwort von ihr. Ich stieg vor ihrem müden Gesicht aus, dort, am Isartor, ging heraus aus einer vielleicht vielfach verpreisgekrönten Geschichte und dachte mir, am Bahnsteig stehend, hier kenn ich mich wieder aus. Das dachte ich mir, bis sich auf der Rolltreppe ein Kind mit einem Eis in der Hand hinter mich stellte und es die klebrige Schokoladensoße auf die Schweißnaht meiner Jacke kleckerte. Aber mein Rücken nascht doch nicht!!!

gerne würde ich…

Abgelegt unter: Ad hoc — Roswitha @ 20:51

…nicht hinter, sondern in einer Wand wohnen…

wandgauting.jpg

 

Ein nägelkauendes, unartiges Mädchen zieht die Tapeten in schmalen Streifen von den Wänden und hört ihrer Arbeit gut zu. Um sie herum wächst ein Haus mit vielen Zimmern. Wenn das Licht in ihre Wohnung schaut, rückt sie schnell den einzigen Vorhang zurecht. So steht sie am geschlossenen Fenster und flüstert zur schlafenden Nachbarschaft hinüber: “ich bürst es mir nicht zurecht mein Leben und schneide das trockene Geäst am Rand meiner Wege”. Von drüben wächst ein elektrisches Raunen heran, das erzählt von der Welt. Ab und an schweben die Worte vom Balkon. Das Mädchen meidet den Blick in die Flure “mit Wünschen alleine kommst du hier nicht durch” hat vor vielen Jahren ein Fortgezogener ins Treppenhaus gemalt.

14.11.2009

gesenkter blick. tochter

Abgelegt unter: Transmitter — Roswitha @ 22:55

Die feuchte, schwere Erde

deine menschenferne Heimat.

Wo ist dein Leben geblieben

das niemand für dich weiter trägt.

Wollen sich denn nicht

über dem gesenkten Blick der Tochter

die Lichter still vermehren.

Könnte nicht dem alten Himmel

ein Mund wachsen

der deine Wärme mit einem Flüstern

wieder zu den Menschen trägt.

Die Tochter scharrt mit abgewetzten Nägeln

tief in die Erde hinein.

Ihr Atem verfängt sich in den Furchen

und die verkrampften Hände verknoten

zerschnittene Tauhälften

die sich doch nicht halten.

Alles Sprechen ist die Suche nach einer Tonlage

dem erschöpften Klang deines letzten Wortes

Still murmelt es durch die Jahre

Komm zurück/Komm zurück

Du.

Magst du nicht kommen

der Tochter wegen.

Die zieht mit krustigen Seilen

unermüdlich

Beschädigungen zu sich hinüber.

Selbst wenn es unter ihren Lidern ätzt

ist es immer nur erträgliches

das sie beweinen kann.

Es bleibt die Zeit

wie vergessen stehen

während ihr Ursprungsauge

deine menschenferne Heimat sucht.

 

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