ich. reise. tagschläferin
Reise mit geschlossenen Augen
in das ergraute Licht
das zwischen Wolken
am Kopfende des Bettes
einer tagschlafenden Sonne wacht.
Ich sitze in Wartesälen
zwischen Geschwistern
deren Blicke
in verletzten Handsenken wohnen.
Die Gedanken richten sich
in Kellern ein.
Es glänzen
die Spuren
scharfer Sehnsuchtsbetäuber.
Beflecken zertretene Dielen.
Da unten bekomme ich
meine Nahrung her.
Und meine Finger streicheln den Staub
für Jahre.
Da oben in den Lichtbuchten
lass ich meinen Herzschlag träumen
bis der Himmel
sein letztes Leinenhemd abwirft
und die Sonne in unsere Körper steigt.

Ich dachte mir noch nichts, als ich in der S-Bahn eine junge Frau sitzen sah, die ein aufgeschlagenes Buch sachte auf ihren Schoß legte. Die Frau fuhr sich mit behandschuhten Fingern durchs lange Haar, schloss dabei die Augen und fing heftig an zu gähnen. Sie gähnte über Minuten hinweg so intensiv, dass ich ihren Kehlkopf sehen konnte. Ein Anblick, der doch normalerweise nur endoskopischen Geräten vergönnt ist (man denkt sich, kann denn wirklich jemand so müde sein?). Nein, natürlich nicht. Bald hatte ich den Verdacht, dass diese Frau die Geschichte vollständig aus sich herausgähnte, die sie gelesen hatte! Spürbar änderte sich die atmosphärische Zusammensetzung in der Bahn, recht kleinmolekular. Es wurde um ein paar Grad dunkler. Die Menschen sahen irgendwie so komisch drein, als hätten sie mindestens vier Paar Augen. (Doch nur Protagonist_innen eines Romans?). Unwohl war´s mir, ach. Ich fragte die Frau, nachdem sie endlich ihren Mund wieder geschlossen hatte, welche Geschichte sie denn gerade ausgegähnt habe (konnte den Titel des Buches von meinem Sitzplatz aus nicht entziffern), denn ich wollte mich darauf einstellen, ob ich gerade in einer Schmonzette, einer Farce oder einer Tragödie herumsaß, (die dann so ungelenk in den Tunnel nach der HackHack, Hackerbrücke einfuhr). Stimmt schon, soviel Unterschied macht das ja nicht, deshalb bekam ich auch keine Antwort von ihr. Ich stieg vor ihrem müden Gesicht aus, dort, am Isartor, ging heraus aus einer vielleicht vielfach verpreisgekrönten Geschichte und dachte mir, am Bahnsteig stehend, hier kenn ich mich wieder aus. Das dachte ich mir, bis sich auf der Rolltreppe ein Kind mit einem Eis in der Hand hinter mich stellte und es die klebrige Schokoladensoße auf die Schweißnaht meiner Jacke kleckerte. Aber mein Rücken nascht doch nicht!!!